Reinhardt Sampl
Portrait

„Imponierende Porträts zeigen das ganze Repertoire seines Talents.“
Zitat von Karl Heinz Ritschel aus dem Katalog 2010. Hier den ganzen Text lesen.

Legende: ACR-MP = Acryl auf Malplatte; ACR-K = Acryl auf Karton; ACR-L = Acryl auf Leinwand; AQU-P = Aquarell auf Papier

Abstrakt und doch gegenständlich

Vor etwa drei Jahrzehnten sah ich im Lungau Bilder, genauer gesagt Aquarelle, eines mir bis dahin unbekannten Künstlers: Reinhardt Sampl. Ich war fasziniert von seinen Landschaftsansichten. Hier zeigte sich eine ganz eigene Stimmung, die jeweils durch das Licht entstanden ist, wie es über Wiesen und Felder gleitet und leuchtet, und wie im flirrenden Licht am Horizont die Berge in den Himmel gleichsam übergehen. Eine durchaus abstrakte Darstellung der Natur und dennoch gegenständlich, topographisch völlig erkennbar. Da war ein Künstler am Werk, der mit seinen Augen das Wesentliche erfasst, seine Landschaftsbilder reduziert, um ihnen die unverkennbaren Strukturen zu belassen.


Hier war eine künstlerische Aussage, wie sie der Impressionismus geprägt hat, der nämlich die Natur so gesehen hat, wie sie wirklich ist – ein Zusammenklang farbiger Schwingungen. Er löst alles in farbige Schwingungen auf und darf auf der Leinwand oder anderem Bildergrund nur durch solche wiedergegeben werden. Ich wollte nun den Maler unbedingt kennenlernen und besuchte ihn in seinem Heimatort in seinem Atelierhaus in St. Andrä, Busenhöhe 197, übrigens eine nette Adresse.


Seither sind fast drei Jahrzehnte vergangen. In den „Salzburger Nachrichten“, die ich leitete, hatte ich eine regelmäßig erscheinende Grafik-Galerie eröffnet, um Künstlern einerseits eine Plattform zu öffnen und um andererseits Leserinnen und Leser mit heimischer und internationaler Grafik vertraut zu machen. Mehrfach sind dort auch Landschaftsgrafiken von Reinhardt Sampl erschienen, so die hochformatige Farbradierung „Das Schönfeld im Thomatal“, dann „Vorfrühling im Lungauer Taurachtal“, eine Aquatinta-Farbradierung im extremen Querformat, einem Panoramaformat, welches Sampl vielfach für seine Bilder verwendet. Seine Farbradierung „Salzburger Winter“ zeigt meisterhaft das Zusammenspiel der weißen Schneedecke mit der Landschaft. Sparsam in den Farben, sind diese Bilder doch höchst eindrucksvoll und eine Liebeserklärung des Künstlers an die Landschaft mit den typischen Weilern und Dörfern. Der „Blick in das Oichtental“ zeigt die Liebe des Künstlers, die er inzwischen für den Flachgau erworben hat. Die Erklärung ist, dass der Maler sein Herz im Flachgau verloren hat und nun über einen zweiten Wohnsitz mit Atelier in Schwerting bei Lamprechtshausen verfügt. Fasziniert von dieser Landschaft, von den Salzachauen über die Moorgebiete, von Bürmoos bis zu den welligen Wiesen und sanften Tälern und Mischwäldern, streift nun Sampl mit seinem Skizzenbuch umher. Allein diese Grafiken zeigen den künstlerischen Anspruch und das Können, eine faszinierende Entwicklung künstlerischer Ausdruckskraft. In der Landschaft bei Oichten lodern die Farben, bricht die Sonne durch das Geäst, das Gewässer spiegelt die Umwelt wider, Sonnenkringel tanzen auf dem Wasser, dunkle Steine werden umspült, moorige Erde wuchtet sich empor, das ist wahrhaft eine Landschaft zum Lieben und zum Verlieben.


Die persönliche Handschrift, gleichzeitig die Freude am Fabulieren zeigt nicht nur das Können, sondern die Liebe eines Menschen, der mit Herz und bravouröser Handschrift seine Heimaten porträtiert. Ich sage bewusst das Wort „Heimaten“, denn Reinhardt Sampl ist ein Weltenbummler, der stets zeichnerisch seine Heimat findet irgendwo in Europa, im hohen Norden oder im tiefen Süden, in der Türkei, in Russland – wo er in Moskau im Museum für Angewandte Kunst eine eigene Ausstellung erhielt. Für mich sind immer wieder besonders faszinierend Sampls Winterbilder, Winterlandschaften, eine der schwierigsten Aufgaben in der bildenden Kunst. Meisterhaft ist das Zusammenspiel der weißen Schneedecken mit der Landschaft, die dadurch verzaubert wird. Und obwohl die Bilder sparsam in den Farben sind, sind sie dennoch und wahrscheinlich gerade durch diese Sparsamkeit höchst attraktiv, da der Künstler es versteht, Spannungen zu erzeugen und mit seinem Pinsel festzuschreiben. Landschaft im flirrenden Föhn, das Spiel des Lichtes, sein Tanz auf dem Wasser, ob in Griechenland oder Venedig oder einem der heimischen Seen, immer ist es unverkennbar Sampls Handschrift.

In seinem Schaffen spielen die Aquarelle nach wie vor eine große Rolle, gefolgt von Arbeiten mit Acryl, da wieder fallen sehr stark großformatige Triptychen auf. Das Medium der Radierung wird von ihm gleichfalls stark benutzt, während die reine Ölfarbenmalerei etwas in den Hintergrund getreten ist.


Der Künstler hat sich jedoch nicht als reiner Landschaftsmaler festschreiben lassen, ebenso sind es Stillleben, imponierende Porträts und sehr viele Akte, die durch Form, Farbe und dem Spiel des Lichtes auf den Körpern überzeugen.

Die Außenfassade der neuen Volksschule seines Heimatortes St. Andrä gestaltete Sampl mit einem 4 x 4 Meter großen Sgraffito mit Szenen aus dem Schul- und Familienleben. Ebenso schuf er für St. Andrä einen Dorfbrunnen mit einem Stein in der Mitte des kreisrunden Beckens, in dem springende metallene Fische Wasser versprühen. Doch auch der Werkstoff Holz hat diesen Künstler gereizt, ihn für seine ausdrucksstarken Ideen zu nutzen, so etwa die mehr als vier Meter messende Skulptur eines Jaguars aus Eiche, oder die beiden Figuren „Der Bischof und der Sünder“, eindrucksvoll aus angebranntem Holz geschaffen, Holz, das er nach einem Scheunenbrand erwerben konnte. Für die Salzburger Wirtschaftskammer wiederum hat der Künstler im Aufgang das großflächige Wandgemälde (12,7 x 4,5 m) der vier Jahreszeiten mit Bezügen zu Wirtschaft, Bildung, Arbeit und Tourismus gestaltet. Und inzwischen hat der Lungauer Künstler, dem vor einigen Jahren der Berufstitel Professor zuerkannt wurde, eine eigene Malakademie gegründet, in der er jeweils in der Ferienzeit Wochenkurse abhält, um an Kunst interessierten Menschen Farbenlehre, Aquarelltechnik, Umgang mit Malmaterial usw. zu vermitteln.


Vor fast zwanzig Jahren ist von Reinhardt Sampl das erste Katalogbuch erschienen. Nun legt er bereits sein viertes Buch vor, um seine künstlerischen Arbeiten der letzten Jahre zu dokumentieren. Sampl ist sich selbst treu geblieben. Er besitzt eine unverkennbare eigene Handschrift – hält man ein Bild von ihm in der Hand, dann weiß man, „das ist ein Sampl“. Doch der Blick des Künstlers hat sich geschärft, die Reduktion auf die wesentlichen Grundstrukturen ist gestiegen, ohne jedoch die Kraft der Farben und des Lichtes zu verringern, ganz im Gegenteil, sie sind gesteigert. Stärker geworden ist die Lust zur Abstraktion, ohne jedoch zum Selbstzweck zu werden. Und die unbändige Lust am Fabulieren ist Teil seines Schaffens, sichtbar an Landschaften, Akten oder Stillleben. Hier ist ein fruchtbares Jahrzehnt eines erfolgreichen Malerlebens dokumentiert.


Prof. Dr. Karl Heinz Ritschel, Katalog 2010