Reinhardt Sampl
Landschaften

Studienreisen führten ihn nach den Niederlanden, Ungarn, Italien, Südfrankreich, Griechenland, Tunesien, Schweden, Lettland und Kalifornien.Bilder von Sampl befinden sich im BMUK und in öffentlichen und privaten Sammlungen.

 

„Landschaften sind außer uns und in uns – Spiegel des Seelischen, tief menschlich.“
Zitat von Georg Mühlberger aus dem Katalog 1995. Hier den ganzen Text lesen.

Legende: ACR-MP = Acryl auf Malplatte; ACR-K = Acryl auf Karton; ACR-L = Acryl auf Leinwand; AQU-P = Aquarell auf Papier

Landschaft – Akt – Abstrakt

Es ist etwas Eigenes um die Faszination der Landschaften und ihrer wandlungsreichen Naturgestalt. Landschaften sieht man nicht einfach, man nimmt sie wahr, man schaut sie, man erlebt sie. Solches Wahrnehmen greift, wenn auch nur für Augenblicke, ins Innere aus, es berührt Tiefenschichten, weckt Sehnsüchte, lässt innehalten.

 

Landschaften sind außer uns und in uns. Sie sind veränderlich, sie wandeln ihr Gesicht im Zusammenspiel von Raum, Luft, Licht und Farbe. Es ist die Frage, ob sie ohne unsere Wahrnehmung überhaupt existieren, ob sie nicht eine Fata Morgana unseres Gefühls, ein Spiegel des Seelischen, also des Nicht-Sichtbaren sind. Landschaften sind tief menschlich. Was wir nicht sehen, existiert nicht. Was wir wahrnehmen, wirkt auf uns und kommt aus uns. Was ich wahrnehme, ist in mir. Ich bin, was ich schaue.

 

Die Begegnung mit dem im Lungau beheimateten Maler Reinhardt Sampl lenkt die Gedanken zu solchen Betrachtungen. Das in viele Seitentäler ausgefächerte Murtal bei St. Andrä, wo sein Haus steht, ist die Landschaft seines Herzens. Ihr gehört die malerische Hingabe aus tiefer Zuneigung. Wenn der Maler diese Landschaft verlässt, um auf Reisen andere Länder und Landschaften kennenzulernen, so weiß er, dass er nach seiner Rückkehr die vertraute Umgebung wieder mit neuen Augen sieht und die Gesichter der Landschaft verwandelt wahrnehmen wird.

 

Der Werdegang des Künstlers zeigt eine stark mit landschaftlicher Erlebnisfähigkeit verbundene Entwicklung. Wenn er malt oder skizziert, geht er ins Freie, oder er kommt von draußen. Tatsächlich bilden die Landschaften einen Schwerpunkt in seinem Schaffen. Der Blick auf die Vielfalt der landschaftlichen Gestalt, auf die abstrakten Kompositionen sowie auf die (in dieser Ausstellung nicht vorgestellte Porträtkunst) zeigt aber, dass Sampl ebenso im Figuralen, im Porträt und im abstrakten Ausdruck innerer Visionen gleichsam „landschaftlich“ arbeitet. Er liebt das Liegende, das auch trotz innerer Dynamik ausgebreitet Ruhende. Ein Besuch im Atelier hat vieles erklärt. Sampl führt ein Leben nah an der Natur und auch nah an den Menschen des Tales, die er genau kennt und versteht, wie er sie auch als Porträtist studiert hat; mit Beobachtungsschärfe und Präzision, treffsicher in der Skizze, unerbittlich im Naturalismus.

 

Bereits als Kind wollte er Maler werden, und ein französischer Weinbauer, der das Talent erkannt hatte, bot dem 14jährigen ein Engagement. Der Vater aber sorgte dafür, dass sein Sohn einen sicheren Beruf erlernte, und ließ ihn zum Schwachstromtechniker ausbilden. Neben der beruflichen Tätigkeit blieb das Malen und Zeichnen immer ein Ziel. Das Naturtalent suchte sich seinen Weg, der nicht über Kunstakademien führte, sondern durch die Beschäftigung und die innere Auseinandersetzung mit alten Meistern, zeitgenössischen Malern und befreundeten Künstlern. Im Gespräch nennt er z. B. William Turner ebenso wie Rudolf von Alt, Fendi oder auch Max Weiler. Üben, Experimentieren und intensivstes Arbeiten.

 

Georg Mühlberger
Katalog „Landschaft – Akt – Abstrakt“, Südtiroler Kulturinstitut, 1995